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Wie wird Video-Recruiting eingesetzt?

Video Calls sind aktuell besonders im Trend. Doch auch schon vor Corona war der Erstkontakt per Videochat eine gängige Methode innerhalb des Bewerbungsverfahrens, um Kandidaten aus entfernten Regionen kennenzulernen.
Darüber hinaus werden in bestimmten Bereichen, häufig in kreativen Branchen, Bewerbungsvideos anstelle von schriftlichen Unterlagen eingefordert. Auftreten, Ausdrucksweise, Konzept - ein Video sagt sehr viel mehr als ein tabellarischer Lebenslauf. Kein Wunder also, dass sich auch Unternehmen diesen Vorteil zunutze machen, indem sie zielgerichtete Recruiting-Videos produzieren. Bisher wurden diese vor allem als Werkzeug im Employer Branding eingesetzt. 
Diese eher einseitigen Kommunikationswege werden nun in Form von Video-Jobportalen und -Inseraten, und -Interviews weitergedacht. Die Idee dahinter ist so simpel wie genial: durch den Einsatz von Videos soll der Austausch persönlicher, der Bewerbungsprozess verkürzt und letztlich Personalentscheidungen verbessert werden. Hierfür gibt es viele verschiedene Ansätze von Anbietern, die wir im Folgenden kurz vorstellen möchten.

 

Jobboerse.de - einfache Integration von Videos in Stellenausschreibungen

Beginnen wir mit einem der simpelsten Modelle: die Einbindung von Videos in ein gängiges Online-Jobportal. Während bekannte Player wie Stepstone, Indeed und Monster aktuell keine native Integration von Videos anbieten, ist dies auf anderen Portalen wie Jobboerse.de bereits möglich. Es gibt sogar eine Übersicht explizit für Video-Anzeigen. Es fällt auf, dass es sich vor allem um “klassische Jobs” (Pflegekräfte, Mechaniker, Vertriebsmitarbeiter) und Ausbildungsberufe handelt. Dies erscheint insofern naheliegend, als dass hier nach wiederkehrenden Kriterien gesucht wird. Die Videos können also immer wieder eingesetzt werden. Auch wenn die Nutzeroberfläche von Jobboerse.de nicht die modernste ist, so bietet das Portal mit 1,4 Millionen Stellenanzeigen ein großes Repertoire und gehört damit zu den größeren Jobportalen in Deutschland. Die Preise für ein Inserat variieren je nach Service und können auf der Website eingesehen werden. 

 

Job Broadcast - Recruiting Plattform mit Potential?

Jobbroadcast.de ist ein neugegründetes Portal, auf dem Unternehmen Stellenanzeigen in Form von Videoclips hochladen können. Die Einbindung erfolgt über einen YouTube-Link des jeweiligen Stellenanbieters. Job Broadcast stellt also lediglich die Plattform zur Verfügung. Diese scheint aktuell sowohl bezüglich des Designs als auch der Inhalte noch im Aufbau zu stecken. Leider gibt es auf der Seite aktuell keine Mediadaten, die Aufschluss über die tatsächlichen Seitenaufrufe auf Job Broadcast geben. Neben der Plattform sollen Kunden vom Job Broadcast Netzwerk profitieren, indem sie Unterstützung bei der Produktion von professionellen Recruiting-Videos erhalten. Noch bis zum 15. Juni 2020 können Unternehmen das Angebot von Job Broadcast zwei Monate lang kostenlos und unverbindlich testen. 
 

jobsaround.tv - Produktion und Distribution in einem

Bei Jobsaround.tv handelt es sich um eine optisch ansprechende Plattform für Video-Stellenangebote. Urheber ist die Karlsruher Werbeagentur Punkt GmbH, zu deren Leistungsspektrum auch die Produktion von Recruiting-Videos gehört. Jobsaround.tv ist als ein zusätzlicher Distributionsservice für Agenturkunden entstanden. Eigen- und Fremdproduktionen können hier nicht veröffentlicht werden. Der Service ist daher nur für Unternehmen interessant, die noch keine eigenen Recruiting Videos haben. Jobsaround.tv bietet verschiedene Preismodelle mit diversen Zusatzleistungen an. Interessant ist dabei vor allem die Vermarktung auf größeren Jobportalen wie Stepstone, Monster und Stellenanzeigen.de sowie die Erstellung von Google Ads, für eine Laufzeit von 30 bis 60 Tagen, für die natürlich ein Aufpreis fällig wird.
 

TALENTCUBE - das mobile Bewerbungsverfahren

Bei Talentcube dreht sich alles um das Thema Mobilität. Bewerber sollen so ihren Traumjob per Smartphone bekommen. Unternehmen hingegen können die Software in ihr bestehendes HR-System integrieren. Und so funktioniert’s: Als Unternehmen fügt man den Talentcube-Link in einer Stellenanzeige ein. Der Bewerber erstellt über die App oder den Browser einen Account, in dem er Zeugnisse, Lebenslauf und weitere Dokumente hochladen kann. Statt eines klassischen Anschreibens beantwortet er jedoch drei Fragen, die vom Unternehmen gestellt wurden, per Selfie-Kamera. Die Clips werden zusammen mit den übrigen Unterlagen an das Unternehmen übermittelt, das so einen umfassenden ersten Eindruck vom Bewerber erhält. Talentcube bietet darüber hinaus die Möglichkeit, zeitversetzte Interviews zu führen, durch die die Organisation dutzender Bewerbungsgespräche entfällt. Aktuell wird Talentcube zum Beispiel von Kunden wie Lufthansa, der AOK, Kneipp und Real genutzt. Doch auch wenn das jeweilige Unternehmen noch nicht auf Talentcube registriert ist, kann man sich per Mail dort bewerben und über einen Link auf sein Talentcube Profil verweisen - ein cleverer Marketing-Trick, durch den sich Talentcube von alleine immer mehr verbreitet. Talentcube ist für Bewerber kostenlos. Preisauskünfte für Unternehmen gibt es nur auf Anfrage. Noch bis Ende Juni ist der Service komplett kostenlos. 
 

Interview Suite - vereinfacht die Kommunikation, vor allem für Unternehmen

Sehr ähnliche Features wie Talentcube bietet auch die Interview Suite von Viasto. Zielgruppe sind laut der Web-Präsenz in erster Linie Arbeitgeber. Zusätzlich zu der Videobewerbung und zeitversetzten Bewerbungsgesprächen bietet die Interview Suite eine Lösung für Live-Interviews an, die (Zitat Viasto:) “mehr bietet als ein herkömmliches Videotelefonat” und “den operativen Aufwand durch smarte Zusatzfunktionen minimiert”. App-User bewerten die Interview Suite im Schnitt jedoch deutlich schlechter als zum Beispiel Talentcube. Über Referenzen und Preisgestaltung gibt Viasto nur auf Anfrage Auskunft.
 

Cammio - die All-in-one-Lösung für Arbeitgeber

Das niederländische Unternehmen Cammio startete seinen Werdegang im klassischen Employer Branding und entwickelte seine Kompetenzen mehr und mehr in Richtung Videokommunikation. Mittlerweile ist Cammio zu einer umfassenden Recruiting-Plattform herangewachsen, die sich sowohl singulär nutzen als auch in eine bestehende HR Software integrieren lässt. Durch einen intelligenten Algorithmus sollen die besten Kandidaten schon im ersten Auswahlprozess herausgefiltert werden. Wie bei Talentcube und der Interview Suite können auch bei Cammio zeitversetzte Interviews geführt werden. Auch Live Interviews können innerhalb des Systems stattfinden und weitere Funktionen wie Terminpläne, Interviewleitfäden und Notizen genutzt werden. Zusätzlich können Bewerber unter dem Format Video Pitch ein freies Motivationsvideo hochladen, um sich von anderen Kandidaten abzuheben. Auch als Unternehmen kann man sich oder die ausgeschriebene Position im Rahmen eines Videos vorstellen. Hierfür gibt es viele verschiedene Features, mit denen man auch die Kollegen untereinander auffordern kann, Sequenzen mit ihrem Smartphone aufzunehmen - ein netter Bonus, der für viele Unternehmen jedoch recht zeitaufwändig sein dürfte. Zu seinen Referenzen zählt Cammio AIDA, Esprit, BMW und weitere Großkunden.
Das Unternehmen wirbt vor allem mit hoher Datensicherheit und vielfältigen Einstellungs- und Nutzungsmöglichkeiten. Als Kunde erwirbt man eine monatliche Nutzungslizenz, der Preis bemisst sich an der Größe des Unternehmens. 
 

Fazit

Der Anbietervergleich zeigt, dass es viele verschiedene Möglichkeiten gibt, Videos in den Recruiting-Prozess zu integrieren. Während sich Portale wie Jobboerse.de, Jobbroadcast.de und Jobsaroundtv.de auf das Employer Branding konzentrieren, geht es bei Talentcube, Interview Suite und Cammio darum, das Bewerbungsverfahren teilweise oder sogar vollständig auf Videokommunikation umzustellen. Falls Sie darüber nachdenken, Videos in ihr Recruiting zu integrieren, sollten Sie sich also zunächst die Frage stellen, ob Sie Videos eher zur Selbstpräsentation oder zum Kennenlernen von Bewerbern nutzen möchten. Darüber hinaus sollte sich das Portal oder die Software in ihr bestehendes HR-System integrieren lassen, um wirklich Zeit und Ressourcen zu sparen. Wir hoffen, der Überblick hat Ihnen geholfen, sich ein wenig im Thema zurechtzufinden. Wenn ja, empfehlen Sie den Artikel gerne weiter! 

Über den Autor

Susanne Brand

Susanne Brand studierte Journalismus und Medienkommunikation in Köln und Hamburg und arbeitete währenddessen für verschiedenen Online- und Fernsehredaktionen. Ihr Herz schlägt für kreativen Content, sei es in Form von Blog-Artikeln, Social- oder Crossmedia-Kampagnen. Bei Pictima arbeitet sie seit Februar 2020 als Online Marketing Managerin.

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