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Im letzten Blogartikel haben wir uns mit Drohnen und ihrer Bedeutung für die Videoproduktion auseinandergesetzt. Heute geht es um Virtual Reality und 360-Grad-Videos. Wir gehen dem abgeklungenen Hype auf den Grund und erörtern die Bedeutung und Möglichkeiten für das Marketing. 


Was ist Virtual Reality?

Virtual Reality (VR) – zu Deutsch virtuelle Realität – ist eine computergenerierte Umgebung, in die ein Nutzer durch eine VR-Brille eintreten kann. Nutzer können mit der virtuellen Umgebung in Echtzeit interagieren. Durch die 360-Grad-Darstellung können sie sich im realen Raum bewegen und die virtuelle Realität passt sich den Bewegungen an. Nutzer bekommen das Gefühl, sich inmitten der virtuellen Umgebung zu befinden. Aus diesem Grund spricht man bei VR nicht von Film oder Videospiel, sondern von einer Erfahrung.

Das Oculus Go VR-Headset.
Die Oculus Go ist ein All-In-One-Virtual-Reality-Headset. Mit 219 Euro ist sie relativ günstig und ermöglicht den Einstieg in die virtuelle Realität.

 

Virtual Reality gehört zu den immersiven Medien. Funktioniert eine VR-Anwendung besonders gut, taucht der Nutzer vollständig in die neue Welt ab – die Immersion ist gelungen. Diese wird trotzdem durch einige Faktoren gestört: Nutzer einer VR-Brille können durch diese den eigenen Körper oder die Hände nicht wahrnehmen. Zudem kommt es bei einigen Anwendern zur sogenannten Motion Sickness. Sitzen Anwender einer VR-Brille während sie sich in der virtuellen Realität bewegen, wird ihnen oft schlecht. Das physisch erlebte passt nicht mit dem virtuell abgebildeten zusammen, der Körper reagiert mit Übelkeit. 


360-Grad-Videos: Wie funktionieren sie?

Anders als am Computer erstellte VR-Inhalte, werden 360-Grad-Videos gefilmt. Es gibt zwei verschiedene Arten von 360-Grad-Videos: monoskopische und stereoskopische Videos. 360-Grad-Aufnahmen auf Facebook und YouTube oder Google-Street-View-Aufnahmen sind monoskopisch. Hier wurden 360-Grad-Aufnahmen in 2D-Renderings umgewandelt. Nutzer können sich mit einer Navigation im Videoplayer durch das 360-Grad-Video bewegen und so den Bildausschnitt verändern. Es entsteht aber kein Gefühl der Immersion, da sie immer noch ihre normale Umgebung wahrnehmen. Der 360-Grad-Effekt beschränkt sich auf den Bildschirm. 

Dieses monoskopische 360-Grad-Video von der New York Times zeigt, wie ein in 360 Grad gedrehtes Video wirkt. Es veranschaulicht gut, welche neuen Eindrücke der Zuschauer durch die Interaktivität und den selbst bestimmten Bildausschnitt gewinnt.


Dieses animierte 360-Grad-Video mit dem Titel „Pearl“ von Google hat 2017 einen Emmy für die herausragende Innovation im interaktiven Storytelling gewonnen.


Stereoskopische Videos hingegen werden mit einer VR-Brille konsumiert. Hier geht es wieder um die virtuelle Realität. Der Nutzer taucht vollkommen in die dreidimensionale Welt ab. Es kann sich allerdings auch um 360-Grad-Aufnahmen handeln, in denen der Nutzer durch seine Kopfbewegungen den Bildausschnitt bestimmt. Auch hier kann es zur Motion Sickness kommen, da der dreidimensionale Raum nicht am PC konstruiert ist und nicht auf die Bewegungen des Nutzers reagiert. Es handelt sich um ein 360-Grad-Video, in dem Kamerafahrten bereits aufgenommen wurden. Das Bild bewegt sich also auch, wenn der Nutzer sich nicht bewegt. Das ist für Gehirn und Körper des Anwenders verwirrend. 


Virtual Reality und 360-Grad-Videos ergänzen sich perfekt

360-Grad-Videos werden oft als Virtual Reality verwechselt. Dabei ist die Nutzung von VR-Brillen nicht zwingend notwendig, um ein 360-Grad-Video zu konsumieren. Sie sind dafür die perfekte Ergänzung, um den Nutzer voll und ganz in die dreidimensionale und 360-Grad-Welt eintauchen zu lassen. Mittendrin statt nur dabei, sozusagen. 

Das Gefühl des Eintauchens in eine neue virtuelle Welt wird nicht nur durch die 360-Grad-Umgebung geschaffen. Ein weiterer wesentlicher Faktor ist der Sound. Das folgende Video verdeutlicht, wie wichtig der Sound für das Gefühl ist, sich in der 3D-Umgebung zu befinden. 

 

Für welche Themen eignen sich 360-Grad-Videos und Virtual Reality?

360-Grad-Filme und Virtual Reality eignen sich für die verschiedensten Bereiche. Das enorme Potenzial, Zuschauer vollkommen in eine Umgebung hineinzuziehen, lässt viel Raum für Kreativität. 360-Grad-Videos sind auf sozialen Netzwerken sehr beliebt. Sie können Emotionen transportieren und die Marke bleibt in Erinnerung. Denn VR und 360-Grad-Videos sind zwar längst nicht mehr neu – aber wenig Unternehmen und Marken nutzen die Möglichkeiten für ihr Marketing. 

Häufig zum Einsatz kommen Virtual Reality und 360-Grad-Videos bei Sport- oder Reiseaufnahmen sowie actionreichen Fahrgeschäften. Meist werden interaktive Rundgänge geschaffen, die den Anwender in eine andere Welt ziehen. Auch Veranstaltungen, die aufgezeichnet oder live übertragen werden, lassen den Zuschauer das Gezeigte miterleben. 

Da die Produktion von 360-Grad-Aufnahmen und VR aufwendig und dementsprechend kostspielig ist, werden sie von Marken noch nicht so viel genutzt. Dabei birgt das vollkommene Eintauchen des Nutzers in die geschaffene Welt oder das aufgenommene 360-Grad-Video ein enormes Potenzial. Die starke multisensorische Ansprache durch Videos wird durch das Ausblenden der Außenwelt noch verstärkt. Emotionen werden noch stärker getriggert, das Gefühl das Gesehene selbst erlebt zu haben, intensiviert sich. Marken können eine noch tiefere Verbindung zu ihren Kunden schaffen und das Vertrauen stärken. 


Virtual Reality kommt auf dem Markt schlechter an als prognostiziert

Bevor die Virtual-Reality-Brillen auf den Markt kamen, ging man 2015 vom ganz großen Geld aus. VR und 360-Grad-Erlebnis wurden gehypt. Inzwischen ist die Branche ernüchtert und man befindet sich im „Tal der Enttäuschungen“ des Hype-Zyklus. Nur sechs Prozent der Deutschen besaßen in 2018 eine VR-Brille. Das Kaufinteresse liegt bei den verschiedenen Altersgruppen bei durchschnittlich vier Prozent. Die Preise für VR-Brillen wurden drastisch gesenkt. Anbieter Jaunt versteigerte seine ursprünglich 100.000 Euro teure VR-Kamera und zog sich komplett aus dem VR-Geschäft zurück. Große Player wie Samsung und Google verlieren kein Wort mehr über VR-Funktionen bei der Vorstellung neuer Smartphones. 

Grund für die schlechten Verkaufszahlen sind die Einschränkungen, die die VR-Brillen aktuell noch mit sich bringen. Viele Modell sind durch das Headset ungeeignet für Brillenträger. Zudem sind sie durch ein Kabel mit einem Computer mit spezieller Hardware verbunden, wodurch die Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist. Die Hardware muss meist zusätzlich erstanden werden. Sollten diese technischen Herausforderungen behoben sein, gibt es die Chance, dass VR-Brillen doch noch massentauglich werden. 


Fazit

Monoskopische 360-Grad-Videos fordern den Nutzer auf, mit dem Video zu interagieren und das Gezeigte zu entdecken. Nutzer setzen sich so intensiv mit dem Video auseinander und konsumieren es nicht nur passiv. Die Beispiele von Google und der New York Times zeigen, was möglich ist und wie emotionales Storytelling für den Nutzer erlebbar gemacht werden kann. Stereoskopisch umgesetzt würden die Erlebnisse noch intensiviert werden.

Allerdings besitzen und nutzen weniger Menschen als erwartet VR-Brillen auch im Privaten. Das ist vor allem der noch unzureichenden Usability geschuldet. Somit können mit Virtual Reality Erlebnissen von Marken noch nicht viele Nutzer erreicht werden. Der Einsatz von VR-Brillen in Geschäften, Reisebüros oder auf Messen kann aber sinnvoll sein. Virtual Reality und 360-Grad-Videos bieten Unternehmen die Möglichkeit, ganze Marken-Welten zu erschaffen. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Interaktives Storytelling erhöht die Emotionalität und Marken bleiben bei den Nutzern noch intensiver in Erinnerung. Es wird nur eine Frage der Zeit sein, wann VR-Brillen das „Plateau der Produktivität“ im Hype-Zyklus erreichen werden. 

Virtual Reality und 360-Grad-Videos sind somit eine vielversprechende Möglichkeit, um Marken-Erlebnisse für Kunden zu schaffen. Sie können eine perfekte Ergänzung zur Videokommunikation einer Marke sein, um die Kundenbindung und das Vertrauen zu stärken.  

 

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Über den Autor

Julia Bellan

Julia Bellan studierte Medienwirtschaft und Journalismus an der Jade Hochschule Wilhelmshaven und entdeckte dort ihre Leidenschaft für das Schreiben. Als Redakteurin bei Pictima setzt sie alles daran, die Welt der Video-Branche aus allen Blickwinkeln zu betrachten und ihre Entdeckungen in unterhaltendem, aber informativem Content aufzubereiten.

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